Wie historisch ist: Assassin’s Creed: Odyssey?

Die weibliche Spielfigur Kassandra

Bevor wir diese Frage beantworten können, müssen wir zunächst einmal klären, um was dieses Spiel handelt und wo es spielt. Das Spiel Assassin’s Creed: Odyssey (der Einfachheit halber jetzt nur noch Odyssey genannt) ist der Nachfolger des 2017 erschienenen Assassin’s Creed: Origins des Entwicklungsstudios Ubisoft Quebec. Es beginnt um 431 v. Chr., zu Beginn des Peleponnesischen Krieges. Mit dem eigenen Charakter (entweder Kassandra oder Alexios) kann man den Krieg zwischen Sparta und Athen durch Land- sowie Seeschlachten beeinflussen. Dann beginnt jedoch schon die Ungenauigkeit. Je nachdem, welchen Charakter man spielt, der andere ist der verlorene Bruder, die verlorene Schwester. Der Antagonist steht an der Spitze eines geheimnisvollen Kultes, welcher beinahe die gesamte griechische Welt unter Kontrolle hat. Als Spieler ist es nun die Aufgabe, diesen Kult Stück für Stück zu zerstören und seine Anhänger auszuschalten. Dabei reist man durch das aufwendig gestaltete und sehr überzeugende antike Griechenland. Grosse Städte wie Athen, Korinth und Sparta sind erkundbar, ebenso wie zahlreiche Inseln wie Kreta, Mykonos und Kythera. Der Spieler trifft auf viele der bunten und humorvollen Akteure der Antike wie Hippokrates, Demosthenes, Pythagoras und Sokrates.

Die Medusa in Assassin’s Creed: Odyssey

Natürlich ist es schwierig, ein Spiel, in welchem antike Mythen wie die Medusa angetroffen werden können und ein geheimnisvoller Kult die Welt beherrscht, historisch zu bewerten. Dadurch jedoch, dass Ubisoft ihr Mammutwerk in einen geschichtlichen Kontext setzen, ist eine Bewertung unvermeidlich.

Beginnen wir mit der Landschaft und den Städten. Die Spielwelt ist unglaublich detailliert und aufwendig gestaltet. Auch von den Proportionen ist sie recht realistisch, auch wenn natürlich einige Inseln weggelassen und Länder zurecht geschnitten wurden. Wenn man aus Athen in Richtung Nordosten reitet, erreicht man Marathon. Wenn man dann in Richtung Süden bis zur Spitze Attikas gelangt, kommt man nach Sounio. Ganz wie in der Realität. Auch die Städte an sich sind sehr überzeugend, in den reichen Gebieten wird mit Marmor gebaut, während der Sklavenmarkt in Athen nur aus Holzschuppen besteht. Ikonische Gebäude wie das Parthenon sind überall im Spiel zu finden. Das Spiel bietet sogar eine Sammlung, in der alle historischen Orte eingetragen sind, die im Spiel eingebaut sind. Zu diesem Aspekt kann man also sagen, dass Odyssey eine überzeugende und realistische Spielwelt abliefert und somit ein starkes Gerüst baut.

Als nächstes werfen wir einen Blick auf die Spielcharaktere. Wie bereits eingangs erwähnt treffen wir auf zahlreiche bekannte Gesichter und Namen. Die realitätsnahe und amüsante Darstellung eines Alkibiades als Frauen- und Männerheld und Sexschamanen, lässt sogar vergessen, dass er, der Staatsmann Demosthenes und der Philosoph Pythagoras, alle drei im Spiel anzutreffen, in drei verschiedenen Jahrhunderten lebten. Auch der Dialog zwischen dem athenischen Staatsmann Perikles und dessen Widersacher Kleon ist überragend gut dargestellt und zeigt das unterschiedliche Verständnis der Demokratie der beiden. Auch hier zeigt das Spiel, dass es trotz geschichtlicher Fehler witzig damit umgehen kann und Geschichte in einer etwas anderen Art beibringt.

Beim Militär wird es ungenau

Die Keule der ewigen Flamme.

Kommen wir nun zu den Waffen, Rüstungen, Schiffen und Schlachten. Das Spiel bietet ein riesiges Arsenal an Waffen und Rüstungen. Leider ist dies so gross geraten, dass einige der Gegenstände entweder erst viel später oder gar nicht existiert haben. Zu nennen ist hier beispielsweise die Keule der ewigen Flamme, deren Spitze immer in Flammen steht. Ein solcher Ausflug in die Fantasy ist hier nicht erwünscht und zudem auch überhaupt nicht nötig. Bei der Schifffahrt sieht es ein wenig besser aus. Die in dem Spiel verwendeten Triremen waren auch vor 2500 Jahren das Nonplusultra in puncto Schifffahrt. Auch das Aufwertungssystem ist an der Realität orientiert. Aber warum ist die Ägäis fast gleichmässig zwischen Sparta und Athen aufgeteilt, während historisch gesehen nur Athen das östliche Mittelmeer befuhr, während Sparta die Supermacht in Landkämpfen war? Auch in den Schlachten, die man als Spieler massgeblich beeinflussen kann, gibt es einen grossen Fehler, denn auch die Griechen führten ihre Schlachten geordnet und in Formation und nicht, wie in Odyssey dargestellt, unübersichtlich und chaotisch. In beiden Punkten hätte ein wenig Recherche und Orientierung an der Geschichte nicht geschadet, sondern es viel mehr noch realistischer wirken lassen.

Zum Abschluss will ich einen Blick auf die Story des Spiels werfen. Als Kassandra oder Alexios wird man kurz nach Beginn des Spiels damit konfrontiert, dass die Mutter von einem mysteriösen Kult verfolgt wird. Dieser Kult, wie man stückweise erfährt, kontrolliert die gesamte hellenische Welt und will die bestehende Ordnung zunichte machen. Eigentlich ein spannender Plot, aber er wirkt aufgesetzt. Denn der Konflikt zwischen dem demokratischen, aber korrupten Athen und dem autoritären, aber integren Sparta bietet schon so genügend Potenzial. Schliesslich ging es in allen Teilen der Assassin’s Creed-Reihe bisher um den Konflikt zwischen Freiheit und Autoritarismus, zwischen Assassinen und Templern. Da muss nicht ein von aussen aufgestülpter Plot, der in sich zwar stimmig ist, herhalten.

Den Entwicklern gelingt mit Assassin’s Creed: Odyssey ein glaubhaftes Gemälde des antiken Griechenlands. Die Landschaften, Städte und Charaktere sind überzeugend dargestellt. Leider wird das Spiel beim Militär ungenau und gleitet dann bei der erzählten Geschichte ganz in die Fantasie ab. Nichtsdestotrotz kann man durch das Spiel so glaubhaft wie nie zuvor in die Antike abtauchen und diese erleben.


Wie historisch ist:

Unter diesem Titel veröffentliche ich unregelmässig Artikel über die historische Genauigkeit in Videospielen, in Filmen oder in Büchern. Den Anfang macht das Action-Rollenspiel Assassin’s Creed: Odyssey.

2 Comments

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