Die Gefahr bei den #SaveYourInternet-Demonstrationen

Wer sich im Moment auf YouTube umschaut, der wird eines feststellen: Viele Kanäle befassen sich auf einmal mit Politik, ein Thema, welches bisher höchstens gestreift wurde. Der Grund für das plötzliche Interesse liegt an einer Reform des Urheberrechts, welche die Europäische Union (EU) schon seit Jahren vor hatte und nun durchführen will. Der umstrittene Part der Reform liegt vor allem in Artikel 13, welcher die grossen Host-Betreiber wie Facebook oder Google dazu zwingen könnte, sogenannte “Upload-Filter” einzuführen. Diese wären automatisch und würden jeden Inhalt, bevor er hochgeladen wird, auf mögliche Urheberrechte überprüfen. Würden welche verletzt, verbietet der Filter den Upload des Inhalts.

Dies hätte schlimme Folgen für die kreative Szene im Netz, so wären viele Memes oder auch GIFS vermutlich nicht mehr erlaubt. Und genau dagegen rufen viele grosse Kanäle auf YouTube zum Protest auf, da besagter Artikel ihr Schaffen und auch ihren Wohlstand gefährden würde.

Nun gibt es aber einige Knackpunkte bei diesem, im Grunde sehr gerechtfertigten Protest:

1. Warum erst jetzt? Und wieso nur bei diesem Thema?

Dass wahrscheinlich jeder gegen die Gefährdung der eigenen Existenzgrundlage auf die Strasse gehen würde, liegt auf der Hand. Aber dennoch kann man sich zurecht wundern, warum die Personen, die sich jetzt mit aller Kraft gegen Artikel 13 stemmen, ihren Einfluss nicht auch gegen andere Dinge verwenden. So findet sich auf dem Kanal des sehr prominenten Artikel 13-Gegners Herr Newstime, nicht ein einziges Video, auf welchem er politisch seine Meinung äussert. Man kann das als bewusste Neutralität verstehen. Oder als durchsichtiges Manöver, um den eigenen Lebensstandard wahren zu können.

Der bekannte YouTuber Thomas Hackner alias HerrNewstime agitiert gegen den Europaabgeordneten Axel Voss (CDU).

2. Beeinflussung der Jugend

Dadurch, dass der Einfluss von sozialen Medien und deren wichtigsten Kanälen auf die Jugend so gross ist, entsteht eine grosse Gefahr für die politische Meinung. So kann die Jugend von ihren Idolen geschickt und einfach manipuliert werden, vor allem wenn sich die Jugendlichen noch im kritischen Alter von bis 13 Jahren sind. Diese Gefahr droht auch bei den sehr jungen Zuschauenden der grossen Youtube-Kanälen. Gerade wenn sich diese noch nicht vorher mit politischen Themen auseinandergesetzt haben.

Das ist sehr anders im Vergleich zu der anderen grossen Jugendbewegung im Moment, den Klimastreiks. Denn dort kam und kommt der Protest von der Jugend und wird nicht von aussen scharf gemacht.

3. Gefahr durch Übernahme von rechten Bewegungen

Wenn man in die Kommentare unter Beiträge gegen Artikel 13 durchliest, so sieht man recht schnell, dass sich dort sehr viele rechte Kommentatoren breitgemacht haben. Das ist nicht nur weiter unten der Fall, nein, viele der Top-Kommentare gehen in die Richtung wie “Regierung stürzen und raus aus der EU”. Nun heisst das zwar keinesfalls, dass die Bewegung von der politischen Rechten eingenommen ist. Aber was klar fehlt, ist eine klare Abgrenzung der Protestierenden gegenüber den Rechten. Ansonsten kann es durchaus passieren, dass der Protest als rechts dargestellt wird.

4. “Europafrust”

Was allerdings noch mehr fehlt, ist ein klares Bekenntnis zu Europa. Gerade bestimmte Videos stellen die EU grundsätzlich in ein schlechtes Licht. Das und die oben genannten Punkte können dazu führen, dass in den noch jungen Zuschauenden ein negatives Bild über die EU vorherrschend wird, welches die positiven Aspekte aussen vorlässt. Auch wenn das wahrscheinlich nicht der Gedanke dahinter ist, ist das dennoch eine Konsequenz und muss behandelt werden.

Fazit

Während die Kritik an der geplanten Reform mehr als berechtigt ist und auch die Kommunikation der EU verbesserungswürdig ist, sind Teile der Proteste nicht nur positiv. Die Gefahr liegt in einer einseitigen Berichterstattung vonseiten einiger YouTubern, welche einen sehr grossen Einfluss auf die Jugend haben.

Es ist ausserdem zu wünschen, dass sich eben jene Videoschaffenden, die sich jetzt in die Kampagne gegen Artikel 13 werfen, mit zumindest gleich viel Engagement in Zukunft über politische Diskussionen und Vorhaben reden, berichten und engagieren werden.

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